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‚ Viele Chirurgen interessieren sich nicht besonders für diese Erkrankung und das Herausschneiden der Fisteln wird als einzige Option angesehen. Ich denke, das eine lange und offene Wundbehandlung nach Möglichkeit vermieden werden sollte‘

Als Sinus pilonidalis bezeichnet man eine Entzündung des Unterhautfettgewebes im Bereich der Steissbeinregion. Eine Beteiligung des Steissbeins besteht bei der Erkrankung nicht, die Namensgebung erfolgte lediglich aufgrund der Tatsache, das die Fisteln sich genau über dem Steissbein befinden. Man unterscheidet 3 Verlaufsformen: Die asymptomatische , die akut eitrige und die chronische Form. Meist finden sich Haare (85%) in den tieferen Schichten unter der Haut.

Die Erkrankung betrifft doppelt soviel Männer wie Frauen, v.a. sind jüngere Menschen (unter 40 Jahren) betroffen. Vermutlich bohren sich Haare in die Haut der Gefäßfalte. Es bildet sich ein entzündeter Gang (Fistel) in die Tiefe. So eine Fistel bildet sich nicht mehr von selbst zurück und bleibt zur Haut offen. Dadurch können weitere Haare und Bakterien in die Tiefe gelangen und zu einer Entzündung führen. 

 

FISTEL = FISTEL?…..   WIE WIRD EINE STEISSBEINFISTEL BEHANDELT?

Es gibt mehrere Operationsmethoden. Das bedeutet aber auch, das es nicht die eine,  überlegene Operation gibt. 

Jede Fistel ist anders! 

Das Ausschneiden einer Steißbeinfistel zieht in vielen Fällen eine lange Behandlung mit offener Wundheilung nach sich. Dieses ist aber oftmals nicht notwendig. Alternativ  lässt sich auch ein gewebeschonendes, minimal-invasives Verfahren einsetzen. Auch die Nachbehandlung bei allen Verfahren ist für den Erfolg der Operation mit entscheidend, dabei werden wir Sie gerne weiter begleiten. Lassen Sie sich gerne von uns beraten. Folgende Methoden wenden wir je nach klinischem Befund häufig an:

Pitpicking nach Bascom:

Gewebeschonende und minimal-invasive Methode, die Fisteln einzeln zu entfernen, ohne lange Wundbehandlung (ambulant und in örtlicher Betäubung möglich). Wir haben große Erfahrung auf diesem Gebiet und wenden die Methode mehrmals wöchentlich mit großem Erfolg an.  Bei der Pitpicking-Operation werden die einzelnen Fistelöffnungen und der weitere Fistelverlauf umschrieben ausgeschnitten. Meistens wird dieser Eingriff dann kombiniert mit einem seitlichen (neben der Mittellinie) Zusatzschnitt von ca. 10-15mm Länge. Darüber können dann die unter der Haut liegenden Haare und sonstiges entzündliches Gewebe in der Tiefe entfernt werden. Der wesentliche Vorteil liegt in der geringen Belastung sowie raschen Heilung. Der Eingriff erfolgt üblicherweise ambulant und in örtlicher Betäubung. In vielen Fällen kann den Patienten eine aufwendige Operation und langwierige Nachbehandlung erspart werden. Die Wundbehandlung anschließend kann in fast allen Fällen selbstständig durchgeführt werden, das entsprechende Verbandsmaterial bekommt der Patient rezeptiert und kann aus der Apotheke bezogen werden. Üblicherweise kontrolliere ich die Wunden in den ersten 14 Tagen nochmals nach, die Häufigkeit der Wundkontrollen hängt sehr vom individuellen Befund ab und liegt meistens bei 1-3 Kontrollen. Ein Schmerzmittel wird nur selten benötigt nach dem Eingriff. Duschen, Arbeiten ist in fast allen Fällen nach 1-2 Tagen ohne Einschränkung möglich.

Karydakis-Op:

Bei diesem Verfahren wird nach dem klassischen Ausschneiden ein Wundverschluss vorgenommen. Ziel des Verfahrens ist, die Naht ausserhalb der Mittellinie zu verlagern und die Gesäßfalte abzuflachen. Die Wundheilungszeit ist deutlich verkürzt gegenüber der offenen Wundbehandlung bei niedrigen Rezidivsten (0-6%). Wird dabei ein auflösender Faden verwendet, entfällt sogar der Fadenzug. Jedoch werden bei 10-30% Wundheilungsstörungen oder Wundinfektionen auf, aber bei 70-80% der Patienten ist die Wundheilung nach 2-3 Wochen abgeschlossen.

Cleft-Lift-Op:

Dieses ist eine Modifikation der Karydakis-Operation, bei der jedoch nicht so radikal vorgegangen wird, d.h. das chronisch gereizte Gewebe wird nicht komplett entfernt, es werden aber sämtliche Fisteln ausgeschnitten und die Naht ebenfalls seitlich der Mittellinie verlagert und so eine Abflachung der Gesässfalte erzielt. Die Rezidivsten sind mit 0-5% sind mit der Karydakisoperation vergleichbar bei etwas erhöhten Wundheilungsstörungen mit 18-43%.

Limberg-Plastik/modifizierte Limberg-Plastik:

Nach großflächigem, rautenförmigen Ausschneiden der Fistelgänge und Zysten erfolgt eine Deckung der Wunde über einen Verschiebelappen, der seitlich von der Gesäßregion präpariert wird. Bei der Modifikation des Verfahrens wird die untere Nahtrand weiter seitlich neben die Mittellinie verlagert, was die Wundinfektionsrate senken konnte. Bei diesem Verfahren wird eine sehr niedrige Rezidivste (0-3%) beschrieben bei Wundinfektionsraten zwischen 6-40%. Ein wesentlicher Nachteil scheint aber in der Zufriedenheit der Patienten mit dem kosmetischen Ergebnis zu sein, so waren in einer Umfrage von Erylmaz et al. 63% nicht zufrieden mit dem kosmetischen Ergebnis.

Excision und offene Wundbehandlung:

Dieses ist das weltweit und auch in Deutschland am häufigsten angewendete Operationsverfahren dar. Die Fisteln und Mistelgänge werden dabei mit einer Farblösung angefärbt und anschließend wird das so markierte Gewebe komplett entfernt. Die Rezidivsten werden dabei bei 2-6% angegeben. Die Rezidivste bei bereits so voroperierten Patienten liegt mit ca. 20% sogar noch höher. Die größte Belastung für den Patienten liegt dabei in der langen Wundheilungsdauer von 1,5-3 Monate und einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 1 Monat. 

Welche Methode sich bei Ihnen anbietet, sollte nach genauer Untersuchung besprochen werden. Machen Sie gerne einen Termin bei mir (Online-Termin/Dr. Schinkel).